Sammlungen
Institut für Anatomie und Zellbiologie
Unser Institut ist stolz, gleich zwei bedeutende anatomische Sammlungen zu betreuen, die weit über Göttingen hinaus bekannt sind: die Blumenbach-Sammlung und die Blechschmidt-Sammlung. Beide bieten einzigartige Einblicke in die Geschichte der Anatomie und die Entwicklung des wissenschaftlichen Denkens.
Blumenbachsche Schädelsammlung

Die Schädelsammlung wurde von Johann Friedrich Blumenbach (1752 – 1840) in den 70er-Jahren des 18. Jahrhunderts begründet und ist mit etwa 850 Exponaten die wahrscheinlich weltweit älteste noch erhaltene universitäre Schädelsammlung. Blumenbach, der als Professor für Medizin an der Göttinger Universität wirkte, gilt als einer der Begründer der vergleichenden Anatomie, Anthropologie und Zoologie. Bereits in seiner Dissertation De generis humanis varietate nativa (1775) berichtet er „über die natürlichen Verschiedenheiten des Menschengeschlechts“, die er anhand fünf unterschiedlicher morphologischer „Hauptvarietäten“ des anatomisch modernen Menschen verdeutlicht. Die diesen fünf Varietäten zugrundeliegenden Schädel befinden sich auch heute noch in der Sammlung. Die wissenschaftshistorische Bedeutung der Blumenbach’schen Schädelsammlung beruht unter anderem auf Querverbindungen zur Anthropologie, Paläopathologie, Ethnologie, Archäologie und Rechtsmedizin, da Schädel aus vergangenen Zeiten biohistorische Urkunden darstellen. Die Sammlung ist auch in die aktuelle Forschung und Lehre integriert (z.B. bildgebende Verfahren: „Syphilisschädel“) und hat nicht nur Geltung als ein bedeutendes wissenschaftshistorisches Zeugnis, sondern auch als ein Symbol für die frühe Entwicklung der Anthropologie als eigenständige Disziplin.
Blechschmidtsche Embryonen und Modellsammlung
Humanembryologische Sammlung ("Blechschmidt-Sammlung")
Die Göttinger Forschungs- und Lehrsammlung zur Humanembryologie wurde zwischen 1946 und 1972 vom damaligen Direktor des Anatomischen Institutes Erich Blechschmidt (1904–1992) aufgebaut und ist als „Blechschmidt-Sammlung“ weltbekannt. Die Sammlung umfasst zwei Teilsammlungen:
- eine Kollektion von über 200 histologischen Schnittserien von Embryonen und frühen Feten anhand derer mikroskopischer Bau und Struktur der embryonalen Organe und Gewebe studiert werden können; und
- eine Kollektion von 64 stark vergrößerten (50 bis 200-fache Linear-Vergrößerung, entsprechend einer 125,000 bis 8,000,000-fachen Volumen-Vergrößerung) drei-dimensionalen Repliken von Embryonen verschiedener Entwicklungsstadien. Die 3D-Repliken sind Unikate, jedes ca. 65-75 cm hoch. Sie wurden während der 1950iger- und 1960iger-Jahre auf der Grundlage von Schnittserien stadientypischer Embryonen im Göttinger Institut mittels eines technisch aufwändigen Rekonstruktionsverfahrens angefertigt. Die Sammlung der 3D-Repliken menschlicher Embryonen dient der, mit dem bloßen Auge erfassbaren, räumlichen Visualisierung der äußeren und inneren Anatomie von menschlichen Embryonen. Sie ist in einem eigenen Ausstellungsraum im Keller des Anatomischen Institutes untergebracht und öffentlich zugänglich. Eine am Entwicklungsalter orientierte Aufstellung der Exponate ermöglicht es, die sich wandelnde Anatomie menschlicher Embryonen mit bloßem Auge räumlich zu erfahren. Dies ist weltweit einzigartig.
Die Blechschmidt’sche Replikensammlung wird heute überwiegend in der studentischen Lehre und Weiterbildung von medizinischen Fachberufen genutzt. Die Sammlung histologischer Schnittserien wird weiterhin von lokalen und zahlreichen internationalen Arbeitsgruppen für humanembryologische Studien genutzt.
Ansprechpartner: Priv.-Doz. Dr. med. Jörg Männer
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